Jetzt muss ich gerade nichts
Neulich lag eine Frau bei mir auf der Liege.
Und irgendwann sagte sie:
„Ich merke gerade erst, wie müde ich eigentlich bin.“
Dieser Satz ist mir geblieben.
Weil ich dachte:
Ja.
Genau das.
Wir merken oft erst, wie erschöpft wir sind, wenn wir endlich mal aufhören.
Wenn niemand etwas von uns möchte.
Wenn wir nicht organisieren.
Nicht planen.
Nicht für andere da sind.
Einfach nur liegen.
Ich erlebe das immer wieder.
Dass Frauen zu mir kommen und erstmal gar nicht merken, wie viel sie eigentlich tragen.
Bis sie auf der Liege liegen.
Und plötzlich wird es still.
Nicht im Außen.
Sondern in ihnen.
Für einen Moment muss nichts entschieden werden.
Nichts erledigt werden.
Nichts gehalten werden.
Einfach nur da sein.
Ich glaube, wir haben uns so sehr daran gewöhnt, weiterzumachen, dass wir oft gar nicht merken, was unser Körper die ganze Zeit für uns leistet.
Bis wir ihm endlich Raum geben.
Nicht, um etwas zu erreichen.
Nicht, um etwas zu verändern.
Sondern einfach, um wahrzunehmen, was da ist.
Vielleicht berührt mich genau deshalb diese Arbeit so.
Weil ich immer wieder erlebe, wie schnell etwas weicher wird, wenn Frauen sich selbst für einen Moment nicht an die letzte Stelle setzen.
Und manchmal beginnt genau dort etwas.
Ganz leise.
Mit einem Satz wie:
„Ich merke gerade erst, wie müde ich eigentlich bin.“