Manchmal reicht ein einziges Lied

Manchmal reicht ein einziges Lied.

Und ich bin sofort wieder Anfang zwanzig.

Nicht mit meinen Gedanken.

Mit meinem ganzen Körper.

Dann ist sie plötzlich wieder da.

Diese Freiheit.

Dieses Gefühl, einfach loszufahren.

Tickets buchen.

Sonnenaufgänge am Meer.

Nächte, die viel zu kurz waren und trotzdem nie zu kurz.

Nicht wissen, was morgen ist.

Und es auch nicht wissen müssen.

Wenn ich bestimmte Lieder höre, kommt manchmal eine Sehnsucht hoch.

Eine Sehnsucht nach dieser Zeit.

Nach der Frau, die ich damals war.

Nicht weil alles besser war.

Ganz sicher nicht.

Ich war unsicherer.

Wusste vieles noch nicht.

Habe nach Antworten gesucht.

Und trotzdem war da etwas, das ich manchmal vermisse.

Leichtigkeit.

Spontanität.

Dieses Gefühl, nur für mich selbst verantwortlich zu sein.

Heute liebe ich mein Leben.

Ich liebe meine Kinder.

Und trotzdem vermisse ich manchmal die Frau, die einfach losgegangen ist.

Die nicht überlegen musste, wer die Kinder nimmt.

Die keinen Familienkalender im Kopf hatte.

Die nicht ständig alles mitdenken musste.

Früher hätte ich mich kaum getraut, das auszusprechen.

Als würde die Sehnsucht nach dieser Zeit automatisch bedeuten, dass ich mein Leben heute nicht liebe.

Aber so fühlt es sich nicht an.

Es fühlt sich eher an wie Heimweh.

Nicht nach einem Ort.

Nach einem Gefühl.

Und vielleicht berühren mich diese Lieder deshalb so sehr.

Weil sie mich daran erinnern, dass diese Frau noch da ist.

Irgendwo zwischen Mama sein.

Selbstständigkeit.

Wäsche.

Terminen.

Verantwortung.

Sie ist nicht verschwunden.

Manchmal braucht es nur ein Lied.

Und ich kann sie wieder spüren.