Als ich dachte, ich müsste mein ganzes Leben hinter mir lassen

Es gab eine Zeit, da habe ich alles infrage gestellt.

Meine Beziehung.
Mein Leben.
Mich selbst.

Von außen sah vieles völlig normal aus.

Von innen fühlte es sich anders an.

Mein Nervensystem war erschöpft.

Ich war müde vom Funktionieren.
Müde vom Starksein.
Müde davon, immer weiterzumachen.

Und da war dieser Gedanke:

Vielleicht muss ich einfach alles hinter mir lassen.

Ein neues Leben.
Ein neuer Ort.
Ein Neuanfang.

Also bin ich losgegangen.

Alleine.

Nicht weil ich Antworten hatte.

Sondern weil ich keine mehr hatte.

Ich wollte nicht länger gegen das kämpfen, was in mir sichtbar werden wollte.

Dann kam eine Knieverletzung.

Ausgerechnet in einer Zeit, in der ich dachte, ich müsste endlich herausfinden, wie es weitergeht.

Plötzlich konnte ich nicht mehr einfach loslaufen.

Nicht ständig unterwegs sein.
Nicht immer etwas tun.

Ich musste sitzen bleiben.

Mit mir.

Mit meinen Gedanken.
Mit meinen Gefühlen.
Mit all den Fragen, die ich so lange versucht hatte zu lösen.

Und genau dort begann etwas.

Nicht in den großen Entscheidungen.

Nicht in der Frage, ob ich mein Leben komplett verändern muss.

Sondern in den stillen Momenten.

In Begegnungen mit Menschen.

In Gesprächen.

Im Blick aufs Meer.

In der Schönheit der Natur.

Langsam wurde mir etwas klar.

Mein Leben war keine Katastrophe.

Aber etwas in mir wollte gesehen werden.

Etwas, das ich lange übergangen hatte.

Und vielleicht war das der eigentliche Wendepunkt.

Nicht wegzugehen.

Sondern hinzuschauen.

Wir leben in einer Zeit, in der vieles schnell ersetzt wird.

Beziehungen.
Orte.
Jobs.

Und manchmal ist Gehen genau richtig.

Manchmal aber auch nicht.

Manchmal nehmen wir unsere ungelösten Themen einfach mit.

In die nächste Beziehung.
In die nächste Stadt.
In den nächsten Neuanfang.

Bis wir bereit sind, wirklich hinzusehen.

Heute bin ich dankbar, dass ich damals nicht vorschnell gehandelt habe.

Dass ich geblieben bin.

Bei meinen Fragen.
Bei meinem Schmerz.
Bei mir.

Denn genau dort begann etwas Neues.

Nicht außerhalb von mir.

Sondern in mir.